Neuseeland – viel mehr als „das Land der Schafe“

NORD INSEL

Nach einem langem Anreise Tag sind wir etwas müde in Auckland angekommen. Wir hatten einen Flug von Kuala Lumpur mit kurzen Zwischenstopp in Australien gebucht. Der erste Eindruck von Neuseeland, nachdem wir aus dem Flugzeug gestiegen sind – hier ist es aber ganz schön kühl. Das war das erste Mal, dass wir unsere langen Klamotten, die wir immer im Flieger tragen, auch tatsächlich angelassen haben, als wir angekommen sind. Nach 3,5 Monaten in Asien ist es kein Wunder, dass es uns bei 20 Grad friert. Wir haben uns dann einen UBER geschnappt und sind zu unserer Airbnb Unterkunft gebracht worden.

Am nächsten Tag sind wir zu dem Mietwagen-Verleih gelaufen und haben unseren gebuchten Camper Van in Augenschein genommen. Ich war sehr aufgeregt. Und da stand er. ER ist gut 20 Jahre alt, hat über 450.000 Kilometer auf dem Tacho und sehr viele Dellen und Schrammen. Wir tauften ihn KIWI 😊 und schickten schon einmal ein Stoßgebet in den Himmel, dass wir die Reise heil überstehen. Die erste Herausforderung war das links fahren. Ich war als Erste dran und bin erst mal schön auf die falsche Spur beim rausfahren aus dem Parkplatz. Zum Glück haben wir es sofort gemerkt und es war kein anderes Fahrzeug auf dieser Straße unterwegs. Uff! Nochmals Glück gehabt. Also sind wir erstmals vorsichtig zum nächsten Supermarkt getuckert und ich habe mich mit dem Links fahren etwas vertraut gemacht. Nachdem wir uns mit Lebensmittel, Putzzeug, Hygiene Artikel etc. eingedeckt haben ging die Fahrt los.

Mit Hilfe einer App suchten wir uns den ersten Freedom-Camping Platz (diese sind kostenlos) und wurden zuerst enttäuscht, da dieser geschlossen war. Eine hilfsbereite Dame gab uns dann einen Tipp wir sollten es doch mal am Bethells Beach probieren. Dies sei zwar kein offizieller Camping Platz, jedoch stehen dort des Öfteren Camper Vans über Nacht. Laut Navi war es nur 30 Minuten entfernt also probierten wir dort unser Glück und wurden nicht enttäuscht. Ein kleiner Kiesparkplatz oberhalb eines Strandes, mit Toiletten und Dusche. In unserer ersten Nacht klopfte ein Ranger an die Türe. Wir waren ganz schön nervös und dachten er würde uns verjagen. Aber das Gegenteil war der Fall. Er fragte uns ob wir hier über Nacht stehen bleiben möchten und er jetzt das Tor abschließt. Glück gehabt! 😀 Der Platz hat uns so gut gefallen, dass wir noch eine weitere Nacht dortgeblieben sind. Untertags konnte man super am Strand umher spazieren. Am 3. Tag sind wir mit dem Camper Van wieder nach Auckland gefahren. Haben dort von einer Einheimischen den Tipp bekommen, dass man kostenlos ins Hallenbad gehen kann. Das haben wir uns nicht zweimal sagen lassen und nach einer Abkühlung im Pool und einer heißen Dusche danach sind wir dann mit dem Bus in die Stadt gefahren. Auf dem Weg dorthin haben wir viel gesehen. Im Stadtzentrum sind wir dann durch die Straßen geschlendert und haben uns einen Eindruck über Auckland verschafft. Hat uns jetzt nicht so umgehauen, aber ist trotzdem ganz okay ein Tag dort zu verbringen. Den Abend haben wir gemütlich am Bethells Beach ausklingen lassen.

Am darauffolgenden Tag fuhren wir nach Kawa Kawa. Ein kleiner Ort in der Nähe von Paihia gelegen. Hier waren wir auf dem Freedom-Camping Platz von Hundertwasser. Hier darf man eine Nacht stehen bleiben und man kann unter anderem die berühmte Toilette im Design von Hundertwasser anschauen. Unser Fazit: Es ist eine Toilette, nett anzuschauen aber jetzt kein „must-see“ 😉 Der nächste Ort, den wir uns anschauten war Paihia. Ein kleines aber sehr schönes Städtchen direkt am Meer. Hier wurde ich von meinem Schatz David zu einem Segel Turn eingeladen, mein verfrühtes Geburtstagsgeschenk. Ich war begeistert und schon am nächsten Morgen ging es los. Unser Skipper Dave begrüßte uns gut gelaunt bei traumhaft schönem Wetter auf dem großartigen Segelschiff „she’s a Lady“. Der Tag konnte nur gut werden. Es waren mit uns noch 10 Leute an Board. Wir segelten bei bestem Wind durch die Bay of Island und waren beeindruckt von dieser atemberaubenden Landschaft. Türkisfarbenes Wasser, majestätische Felsen die aus dem Wasser ragten und viele kleine Inseln drum herum. Nach einer super Fahrt kamen wir zu der kleinen Insel Waewaetorea. In einer wunderschönen Bucht gelegen liegt hier das versteckte Paradies. Atemberaubend! Wir sind dann barfuß an Land gegangen und nach einem halbstündigen Aufstieg standen wir am höchsten Punkt der Insel und hatten einen Bilderbuch-Aussicht die uns sprachlos machte. Fotos sagen mehr als Worte 😉 Nach einer leckeren Jause segelten wir zurück nach Paihia und jeder an Board durfte mal das Segelschiff steuern und mithelfen beim Segel hissen. Voll cool! Das absolute Highlight des Tages waren jedoch die Delfine. Auf einmal sind mehrere von Ihnen um das Schiff geschwommen, daneben, dahinter, unten durch, die ganze Zeit sind sie knapp neben uns aufgetaucht und haben uns angespritzt. Soll ja bekanntlich Glück bringen, haben wir uns sagen lassen. Sie hatten wohl Spaß, denn sie sind eine ganze Weile neben dem Schiff her geschwommen und haben uns ein Stück begleitet. Glücklich und müde von der starken Sonne sind wir in Paihia angekommen. Das war das coolste Geburtstagsgeschenk aller Zeiten. Danke mein Schatz 😊

Heute stand Kultur auf dem Programm. Wir fuhren zu den Waitangi Treaty Grounds. Hier haben wir uns für einen Tour mit einem Guide angemeldet. Wir erfuhren viel über die Kultur der Maori und über die Geschichte Neuseelands. Zum Schluss gab es noch eine kleine Tanzaufführung der Maori. Es war uns ein bisschen zu touristisch gemacht, aber okay. Sind dann noch über das Gelände spaziert und haben uns das Museum angeschaut. Kaitaia im „Northland“ war der nächste Ort auf unserer Route. Die Strecke dorthin war sehr bergig und kurvenreich. Unser Kiwi schnaufte gewaltig und wir sind im Durchschnitt mit 20 km/h die steilen Straßen hochgekrochen. Brauchten dadurch um einiges länger als geplant. Aber wir hatten ja Zeit.

Dem Ninety Mile Beach in Ahipara statteten wir am nächsten Tag einen Besuch ab. Das liegt in der Region Northland und ist ziemlich weit im Norden oben. Was für ein Strand. Wir waren eine Zeit lang die einzigen dort. Ich habe zuerst mal einen Freudensprung gemacht und gejubelt. Ich spürte die pure Freiheit! Der Strand ist so breit und lang, dass er auch als Straße benutzt wird. Dies wird jedoch nur Fahrzeugen mit Allradantrieb empfohlen. Es sind wohl schon einige Fahrzeuge im Sand oder Wasser stecken geblieben und sind nicht mehr rausgekommen, da am Ninety Mile Beach kein Abschleppdienst zur Hilfe kommt. Das hält die Kiwis mit ihrem schweren Pick-up jedoch nicht davon ab. Haben ein paar dort gesehen wie sie über den Sand gebrettert sind. Waren dann so motiviert, dass wir am gleichen Tag noch zu einem weiteren must-see gefahren sind, nämlich in den Waipoua-Forest zu den Kauri Bäumen. Das ist ein sehr schöner Wald mit sehr alten Kauri Bäumen. Wir haben dort unter anderem die Mutter aller Kauri Bäume „Tane Mahuta“ bestaunt und uns blieb erstmals der Mund offen stehen. Einen so gigantischen Baum haben wir zuvor noch nie gesehen, majestätisch. Als wir davor standen kamen wir uns ganz schön klein vor.  Sind dann noch die anderen Kauri-Giganten anschauen gegangen. Es war ein schöner Waldspaziergang. Über Stege, Wege führen gekennzeichnete Pfade zu den Bäumen. Vor dem Eintritt in den Wald muss man sich einer speziellen „Schuhputz-Prozedur“ unterziehen, um dafür zu sorgen, dass keine Schädlinge in den Waipoua-Forest eingeschleppt werden, der den Bäumen schaden könnte. Beim Verlassen des Waldes ebenso. Das Gute daran ist, dass man danach sehr saubere Schuhe hat. 😉 Bevor es dunkel wurde, hatten wir ein Plätzlein für die Nacht gefunden. Der Vorteil in Neuseeland ist, dass es erst sehr spät dunkel wird.

Den nächsten Tag verbrachten wir in Te Whanata. Ein Ort den wir als Zwischenstopp nach Rotorura besuchten. Mit einem Spaziergang ins Städtchen, Kaffee und leckeren Fish & Chips ließ sich die Zeit gut vertreiben.

In Rotorua angekommen stieß uns zuerst einmal ein beißender Geruch von Schwefel in die Nase. Puh! Das roch wie faule Eier. Sehr gewöhnungsbedürftig. Man musste auch die ganze Zeit niesen. Haben es uns trotzdem nicht nehmen lassen und sind in den Kuirau-Park und haben uns die zahlreichen rauchenden, brodelnden, Erdlöcher, stinkenden Quellen angeschaut. Diese sind wohl durch eine vulkanische Eruption 2001 in Rotorua entstanden. Man kann wirklich sehr viele davon bestaunen. Trotz des sehr starken Gestanks war es trotzdem sehr schön und hat uns gut gefallen. Sind dann noch zum Lake Rotorua spaziert. Ein sehr schöner See mit tollem Panorama Blick auf die Berge. Und hier war die Luft auch rein 😉

Trotz des beißenden Geruchs wollte ich unbedingt in den Wai O Tapu – Park, hier lassen sich ebenfalls zahlreiche Tümpel, Quellen, Erdlöcher, Seen usw. bestaunen. Es war sehr interessant und echt beeindruckend. Jedoch finden wir, dass 20 EUR pro Person schon ein recht hoher Eintrittspreis ist. Aber schön anzuschauen war es dennoch und wir hatten einen großartigen Tag.

Angekommen am Lake Taupo waren wir sofort verliebt in diesen Ort. Wir fanden einen super Freedom-Campingplatz, direkt am See, sehr idyllisch. Hatten einen sehr netten Camping-Nachbar. Gianni, ein ehemaliger Eishockey-Profi aus der Schweiz. Ich habe für uns alle Wraps gemacht, Gianni hat Bier und Chips beigesteuert. Es war ein sehr gelungener Abend. Hier blieben wir die nächsten beiden Tage und haben am See relaxt und das Städtchen erkundet.

Auf dem Weg nach Wellington haben wir zuvor noch in Feilding gehalten und in einem Park campiert. Ein sehr schönes Plätzlein. Und dann war die restliche Strecke nach Wellington nicht mehr ganz so lang.

In Wellington haben wir Proviant für die Fähre gekauft, Wäsche gewaschen und dann am Hafen übernachtet bevor es mit der Fähre morgen weitergeht auf die Südinsel, wo unser erstes Ziel Nelson sein wird.

Ein erstes Fazit zu Neuseeland:

Die ersten Tage als Camper haben wir gut gemeistert. Uns ans Camper-Leben angepasst, mit unserem Camper „Kiwi“ vertraut gemacht und uns an das Links fahren gewöhnt. Die Hilfsbereitschaft der Kiwis (so werden die Einwohner Neuseelands genannt) ist sehr hoch. Egal wo du stehst, es kommt immer jemand zu dir und fragt dich ob du Hilfe benötigst oder gibt dir ein paar Tipps. Uns ging es ständig so.

Wir sind froh, dass wir die lange Anreise nach Neuseeland auf uns genommen haben und nun sind wir gespannt, was die Süd Insel zu bieten hat. Die Messlatte liegt schon mal sehr hoch, da uns die Nord Insel wirklich sehr gut gefallen hat. Wir sind einige Kilometer von Auckland bis hoch nach Ahipara/Northland und dann runter bis Wellington gefahren, haben viel gesehen und waren des Öfteren begeistert von der atemberaubenden Natur Neuseelands. Es gab Tage da hat das Wetter im 10 Minuten Takt gewechselt, von sonnig und warm zu regnerisch und kalt, Jacke an, Jacke aus. Sonnenbrille wegräumen, Sonnenbrille wieder rausholen. Das war ein bisschen lästig. Aber wir hatten großteils gutes Wetter und deshalb kann man da ein Auge zudrücken 😉 Auch das Camper-Leben ist nicht immer ein Zucker-Schlecken, aber man gewöhnt sich dran.

Südinsel wir kommen 😊

Autor: natidas.life

Ich bin Natalie, 29 Jahre alt, (fast) immer gut drauf und lebensfroh. Ich liebe meine bessere Hälfte David, gutes Essen, Reisen und das Leben :-) Zusammen leben wir unseren Traum und reisen ab August 2018 für 1 Jahr um die Welt.

Ein Gedanke zu „Neuseeland – viel mehr als „das Land der Schafe““

  1. Super Nati sehr toll und interessant geschrieben. Das mit den Delphinen stimmt übrigens die Spritzen nur die tollen Menschen an. Uns hat einer sogar mal einen Fisch zugeworfen. Das war in Florida. Den haben wir gleich gebraten. War sehr lecker.

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s